Wenn ein Mensch spricht oder singt, bewegen sich sein Kehlkopf und die Luft, in die er hineinspricht oder –singt, nach ganz bestimmten Gesetzmäßigkeiten. In der Eurythmie werden diese Bewegungen, die sich für unser Auge unsichtbar vollziehen, mit dem ganzen Körper sichtbar gemacht.
Im Unterschied zu gymnastischen, pantomimischen oder tänzerischen Bewegungen, die völlig frei gestaltet werden können, gibt es in der Eurythmie für jeden Laut der Sprache und für jeden Ton eine bestimmte Gebärde. So wie es nicht gleichgültig ist, ob ein Mensch anstatt des Wortes "Topf" das Wort "Kopf" verwendet, so ist in der Eurythmie die Gebärde für das "T" eine andere als die für das "K". Solange diese Eindeutigkeit nicht außer Acht gelassen wird, ist der Mensch in seiner eurythmischen Gestaltung ebenso frei, wie er die Freiheit hat, ein Wort auf seine eigene Weise auszusprechen.
Ohne Bewegung lässt sich kein Wille in die Tat umsetzen. Für Menschen, die verlernt haben, "sich in Bewegung zu setzen", bleibt das Gewollte im Wünschen stecken. Eurythmie wirkt als ein Ausgleich zu den kränkenden, lähmenden Einflüssen unserer Zeit: An ihr können die Heranwachsenden ihren Willen stärken und sich nicht nur zu wünschenden, sondern zu sinnvoll wollenden und handelnden Menschen entwickeln.
Eurythmische Formen werden nicht nur mit dem Körper, sondern auch als geometrische Choreographien im ganzen Raum gebildet. Die Schüler erleben dabei, wie viel Wachsamkeit und Rücksichtnahme aufgebracht werden muss, bis eine Form gemeinsam gelingt. Jeder Schüler und jede Schülerin nimmt wahr, wie er oder sie sich selbst und wie die Mitschüler und Mitschülerinnen sich zum Raum und zueinander in Beziehung setzen.
Eurythmie ist ein wesentlicher Bestandteil der Waldorfpädagogik und wird vom Kindergarten an bis in die höchsten Klassen unterrichtet. In ihrer therapeutischen Form findet die Eurythmie darüber hinaus erfolgreich als Heileurythmie Anwendung – ein Angebot, das auch an unserer Schule zur Verfügung steht.


