Stricken, häkeln, sticken, nähen - muss das heute noch sein?
Im Verhältnis zum Arbeitsaufwand kosten Textilien heute wenig und erfüllen höchste Ansprüche. Das "Selbstgestrickte" erinnert eher an Urgroßmutters Zeiten, wo die Zeit noch "stillstand". Sich mit nur einer Sache beschäftigen, dazu noch stillsitzen und lauschen - das fällt den Kindern heute schwer.
Im Handarbeitsunterricht erlebt das Kind, dass es etwas schaffen kann. Es freut sich über seine Arbeit und gestaltet etwas Nützliches und Brauchbares als Vorbereitung fürs Leben. Begreifen mit der Hand löst Begreifen mit dem Kopf aus. Zum Stricken gehört das Maschenaufschlagen, das Stricken rechter und linker Maschen, Abketten, Anfangs- und Schlussmaschen - das alles muss begriffen werden. Dazu kommen die Kinder in ein rhythmisches Tun und werden tüchtig.
In der neueren Gehirnforschung wird den Sinneserfahrungen und dem eigenen praktischen Tun eine große Bedeutung bei der Entwicklung von Lernverhalten zugemessen. Sie fördern die Voraussetzung für differenziertes Sprechen und bewegliches Denken. Flinke Finger und flinke Gedanken verleihen Lebenssicherheit. In der Handarbeit übt das Kind koordinierte feinmotorische Bewegungsabläufe ein, erfühlt die Eigenarten der verschiedenen Materialien, lernt Harmonien von Formen und Farben zu erkennen. Das Begreifen der Welt durch schöpferische Eigentätigkeit ist nicht zu ersetzen.


