Schulfähigkeit bedeutet weit mehr als allgemein angenommen. Um schreiben, lesen und rechnen zu lernen sind natürlich gewisse intellektuelle Fähigkeiten notwendig; sollen Kinder aber aktiv, freudig und erfolgreich mitarbeiten und lernen, brauchen sie vor dem Schuleintritt eine intensive Ausbildung von Basiskompetenzen. Die Grob- und Feinmotorik ist zu erüben, die verschiedenen Sinne sind anzusprechen und es gilt die Sprache im Sprechen und Zuhören zu üben. Ferner sind die Phantasiekräfte zu stärken, die Kinder müssen sich in der Gruppe sozial integrieren, sie sollen Freude am Tun erfahren und zur Eigenaktivität angeregt werden. Manches ist körperlich auszubilden, damit es später als seelische Qualität zur Verfügung steht: Wer z. B. nicht geübt hat, auch rückwärts zu gehen, wird später nur schwer Kompromisse schließen können. Wer seinen Gleichgewichtssinn durch vielseitiges Tun gut ausgebildet hat, wird auch später seelisch besser im Gleichgewicht sein etc.
Im Kindergarten sieht vieles so aus, als würden die Kinder dort "nur" spielen. Doch unter den oben genannten Gesichtspunkten haben Tätigkeiten wie Reigen, Freispiel, Zubereitung des Essens, die gemeinsame Malzeit, das Feiern der Jahresfeste usw. einen hohen Stellenwert, um Kinder auf die Schule mit ihren ganz anderen Anforderungen vorzubereiten. In der Schule wird nun das Lernen bewusster und aktiver ergriffen und zur Ausbildung der Basiskompetenzen gibt es viel weniger Möglichkeiten und Zeiten.
Sind die Kinder nun auch körperlich und seelisch schulreif geworden, was an vielerlei Veränderungen zu erleben ist (auch heute ist dieser Zeitpunkt bei den meisten Kindern noch um das 7. Lebensjahr), dann ist die Einschulung nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig, um den neu erwachten (Lern-)Kräften ein Betätigungsfeld zu geben. Sind die Kinder so vielseitig vorbereitet, werden sie die Schule mit Gewinn besuchen und Freude am Lernen haben. Schlecht vorbereitete Kinder und solche, die zu jung sind, brauchen einen großen Teil ihrer Kräfte um sich zu orientieren, zu behaupten etc. Verschiedene Untersuchungen belegen, dass diese Kinder (unabhängig von ihrer Intelligenz) tendenziell leistungsschwächer sind und sich Schwierigkeiten oft durch die ganze Schulzeit ziehen.
Das schlichte Motto: "Lasst den Kindern Zeit" kann, auf die Einschulung angewandt, gar manche Probleme vermeiden helfen.


